Zwischen Samarkand und dem Kampf um die Schachkrone bleibt ein kurzer Moment zum Durchatmen und für einen besonderen Rückblick.
Unsere amtierende Bremer Frauenmeisterin Liz Eitel blickt auf ihren Auftritt beim Deutschen Schachgipfel in Dresden zurück und schildert ihre persönlichen Eindrücke von Doppelrunden, Fair-Play-Kontrollen und Kartoffelsuppe.
Meine erste Deutsche Frauenmeisterschaft in Dresden
Ich war sehr aufgeregt. Die Anreise fühlte sich viel zu lang an und ich durfte den Anmeldeschluss um 19 Uhr auf keinen Fall verpassen. Doch als wir im Maritim Hotel Dresden ankamen, war ich überrascht, wie unkompliziert alles war.
Mit einem gläsernen Aufzug fuhren wir in den fünften Stock. Von dort hatten wir einen großartigen Blick in die modern gestaltete Lobby des ehemaligen Dresdner Speichers.
Der Spielort war direkt nebenan im Kongress Center. Die Anmeldung war denkbar einfach: Ich musste nur meinen Namen nennen und schon wusste man Bescheid. Danach erkundete ich den Spielsaal. In den großen Räumen, die man über eine Empore erreichte, standen die Tische und Schachbretter bereits bereit. Das Turnier konnte endlich beginnen.
Meine erste Partie begann um 14 Uhr. Leider habe ich die ersten beiden Runden verloren. Trotzdem hatte ich das Gefühl, nicht schlecht gespielt zu haben. Das hat mir Mut und Vertrauen für die nächsten Partien gemacht.
Während die Partien an normalen Tagen meist nach vier Stunden endeten, verlangten mir die Doppelrunden mental alles ab. Ich war schon einiges gewohnt von meinen zahlreichen Open wie GRENKE, Bad Zwischenahn, Deizisau, Heusenstamm oder Willingen, aber Dresden war schon eine ganz andere Hausnummer! Nach einer Fünfstundenpartie blieb mir kaum Zeit zum Durchatmen, umso stolzer war ich auf das anschließende, hart erkämpfte Remis.
Kurios war, dass ich ausgerechnet gegen meine gleichaltrige Freundin und direkte Konkurrentin Ronja Wilke vom SAV Torgelow in einem sehr emotionalen Match antreten musste. Vergangenes Jahr bei den Norddeutschen Vereinsmeisterschaften auf Rügen kassierte ich gegen Ronja meine einzige Turnierniederlage in einem erbitterten Kampf an Brett 1. Dieses Mal behielt ich jedoch die Nerven und revanchierte mich mit einem Sieg. Nach der Partie besuchten Ronja und ich gemeinsam einen nahegelegenen Rummelplatz und hatten viel Spaß miteinander.
Für die Spielerinnen und Spieler gab es immer Obst, Süßigkeiten und Getränke. Auch die Schiedsrichter waren sehr freundlich. Vor jeder Runde wurden wir kontrolliert, damit niemand elektronische Geräte mit in den Turniersaal nimmt. Nach einem meiner Siege wurde ich außerdem für eine Fair-Play-Kontrolle ausgewählt. Das war neu für mich und eine interessante Erfahrung.
Sehr gut gefallen hat mir auch die Organisation der Deutschen Meisterschaft. Meine Mutter meinte irgendwann, dass Schachspieler wohl nicht nur am Brett mehrere Züge vorausdenken.
Neben den Partien habe ich viele neue Leute kennengelernt. Es hat Spaß gemacht, sich mit anderen Spielerinnen und Spielern auszutauschen. Besonders beeindruckt hat mich die Meisterklasse, die im Nebensaal gespielt wurde. Einmal dort zuzuschauen, war etwas ganz Besonderes.
Wenn gerade keine Partie war, habe ich mich ausgeruht, gelesen oder manchmal die Altstadt erkundet. Das Frühstück im Hotel fand ich richtig gut, weil es eine große Auswahl gab und sogar vegetarische und vegane Gerichte angeboten wurden.
Meine Mutter konnte gar nicht verstehen, warum ich morgens so wenig vom Frühstücksbuffet gegessen habe. Aber morgens habe ich einfach nicht viel Hunger und nach einer Partie war ich oft noch zu angespannt, um gleich etwas zu essen. Deshalb waren wir froh, in der Nähe ein Restaurant gefunden zu haben, in dem ich vor einer Partie eine leckere Kartoffelsuppe essen konnte.
Den krönenden Abschluss bildete die feierliche Siegerehrung. Dafür zog ich mein neues Kleid und meine goldenen Schuhe an. Danach verbrachte ich mit meinen neuen Freundinnen und Freunden noch einen richtig schönen letzten Abend.
Vor der Deutschen Frauenmeisterschaft fühlte es sich an, als müsste ich in viel zu große Schuhe schlüpfen. Dank der großartigen Unterstützung meiner tollen Trainerin Vera und meiner Eltern habe ich gelernt, meinen eigenen Schritten zu vertrauen und gemerkt, dass ich darin tatsächlich laufen kann.
Jetzt weiß ich, dass ich auch auf diesem Niveau gut mithalten kann. Ich freue mich schon auf die nächste Deutsche Meisterschaft und ich bin mir heute schon sicher, dass es ein paar Punkte mehr werden als in diesem Jahr.

Liz Eitel beim Schachgipfel in Dresden 2026 (Foto: privat)