Dies ist ein persönlicher Kommentar des B-Klassen-Schachspielers Lars Milde und gibt ausschließlich seine persönliche Meinung zur Ligareform im Landesschachbund Bremen wieder.
Die Ligareform im Landesschachbund Bremen treibt in der B-Klasse bemerkenswerte Blüten. Sechs Mannschaften sollen künftig in gerade einmal fünf Runden ihre Meisterschaft ausspielen. Fünf Runden! Was andernorts kaum als halbe Saison durchgehen würde, wird hier allen Ernstes als regulärer Ligabetrieb verkauft.
Dabei wäre die naheliegende Lösung geradezu erschreckend einfach gewesen: Bei nur sechs Mannschaften spielt man eine Hin- und eine Rückrunde. Zehn Spieltage, jeder gegen jeden zweimal, einmal zu Hause und einmal auswärts. Das wäre sportlich vernünftig, fair und würde den Vereinen tatsächlich eine Saison bieten, die diesen Namen verdient.
Doch daraus wird nichts.
Besonders grotesk ist die Begründung: Die sechs Vereine der B-Klasse konnten sich angeblich nicht auf eine Rückrunde „einigen“. Das klingt zunächst nach einem ausgeglichenen Meinungsbild. Tatsächlich lehnten aber lediglich zwei Vereine die Rückrunde ab. Vier Vereine waren dafür.
Mit anderen Worten: Eine Zwei-Drittel-Mehrheit möchte spielen – und trotzdem wird nicht gespielt.
Seit wann bedeutet eine Abstimmung von 4:2 eigentlich „keine Einigung“? Offenbar gilt im Bremer Mannschaftsschach inzwischen ein ganz eigenes Demokratieverständnis: Eine Mehrheit reicht nicht, solange die Minderheit widerspricht. Zwei Vereine erhalten damit faktisch ein Vetorecht gegenüber vier anderen.
Und keine Sorge: Bestimmt findet sich spätestens an dieser Stelle wieder ein besonders gewissenhafter Regelreiter, der triumphierend den passenden Paragraphen ausgräbt und erklärt, dass laut irgendeiner Bestimmung bereits eine einzige Nein-Stimme genügt, um eine Doppelrunde zu verhindern. Dann wäre formal natürlich alles wunderbar geklärt.
Nur leider beantwortet das nicht die entscheidende Frage: Ist eine solche Regelung auch sinnvoll?
Regeln sind schließlich kein Naturgesetz. Sie wurden von Menschen gemacht, können von Menschen geändert werden und sollten vor allem dazu dienen, einen vernünftigen und attraktiven Spielbetrieb zu ermöglichen. Wer auf eine offensichtliche Fehlentwicklung lediglich mit dem Finger auf einen Paragraphen zeigt, erklärt vielleicht, warum etwas so gemacht wird – aber noch lange nicht, warum es gut sein soll.
Man muss sich schon fragen, warum überhaupt nach der Meinung der Vereine gefragt wird, wenn am Ende nicht die Mehrheit entscheidet, sondern offenbar Einstimmigkeit verlangt wird. Wenn vier von sechs Vereinen eine Doppelrunde wünschen, ist das kein Patt und schon gar keine unklare Willensbildung. Das ist eine deutliche Mehrheit.
Und sportlich ist die nun vorgesehene Lösung kaum überzeugender.
Eine komplette „Saison“ mit fünf Mannschaftskämpfen bedeutet: Nach fünf Sonntagen ist Schluss. Ein einziger schlechter Spieltag kann erheblichen Einfluss auf die gesamte Meisterschaft haben. Gleichzeitig hängt bei einer einfachen Runde auch noch davon ab, gegen wen man Heimrecht hat und gegen wen man auswärts antreten muss. Eine Rückrunde würde genau diese Zufälligkeiten ausgleichen.
Vor allem aber stellt sich eine ganz einfache Frage: Für wen organisieren wir eigentlich einen Ligaspielbetrieb?
Für Schachspieler, die Mannschaftskämpfe spielen möchten – oder mit dem Ziel, möglichst wenige davon austragen zu müssen?
Natürlich muss niemand gezwungen werden, in einer Liga anzutreten. Wer aber eine Mannschaft für einen regulären Ligabetrieb meldet, sollte sich kaum darüber beklagen können, innerhalb einer Saison zehn Mannschaftskämpfe bestreiten zu müssen. Das wäre alles andere als eine unzumutbare Belastung. In einer Liga mit ursprünglich bis zu zehn Mannschaften wären schließlich ohnehin bis zu neun Spieltage möglich gewesen.
Nun schrumpft die B-Klasse auf sechs Mannschaften – und statt diesen Umstand mit einer Doppelrunde sinnvoll aufzufangen, schrumpft man gleich den Spielbetrieb mit.
Das Ergebnis ist eine Meisterschaft im Schnellverfahren: fünf Runden, fertig.
Das mag organisatorisch bequem sein. Sportlich ist es ein Armutszeugnis.
Wenn das der Sinn einer Ligareform sein soll, darf man sich nicht wundern, wenn irgendwann nicht nur die Zahl der Mannschaften kleiner wird, sondern auch das Interesse am gesamten Ligabetrieb.